Die «WEA-Luftschloss-Armee» für den Verteidigungsfall – Eine schonungslose Konfrontation mit den wesentlichen Fakten

Nach der Debatte über die Weiterentwicklung der Armee im Nationalrat schrieb Korpskommandant André Blattmann, Chef der Armee, am 24. Juni 2015 in der «bz Basel Überregional» folgenden Gastkommentar mit der Überschrift «Weiterentwicklung der Armee ist dringend»: «Die Armee ist dank Truppen mit hoher Bereitschaft rasch bereit, kritische Infrastrukturen – davon gibt es in der Nordwestschweiz mehrere existenziell wichtige – zu schützen; und wir verfügen über eine robuste Reserve, mit der wir über beachtliche Fähigkeiten zur Abwehr eines militärischen Angriffs verfügen.»

Eine gründliche Auseinandersetzung mit der Behauptung von Korpskommandant Blattmann, unser Land verfüge über beachtliche Fähigkeiten zur Abwehr eines militärischen Angriffs, drängt sich schon allein deshalb auf, weil der gleiche Korpskommandant Blattmann drei Tage später – am 27. Juni 2015 – in der Neuen Luzerner Zeitung und den damit verbundenen Blättern in der Zentralschweiz auf die Frage «Wo hapert es noch?» antwortete: «Wenn wir von unserer heutigen Armee mit einem Bestand von 200‘000 Armeeangehörigen ausgehen, fehlen etwa Hauptsysteme. Wir hätten für diesen Bestand nicht genug Radschützenpanzer, geschützte Mannschaftstransporter – auch nicht genug Übermittlungsmittel. Dies allein ist schon ein Hinweis darauf, dass wir – wenn wir ehrlich sein wollen – besser einen etwas tieferen Bestand haben sollten – dafür dann mit kompletter Ausrüstung.»

Bemerkenswert ist zunächst, dass die Halbierung der personellen Stärke der Armee von 200‘000 auf 100‘000 Armeeangehörige durch Korpskommandant Blattmann als Reduktion «auf einen etwas tieferen Bestand» bezeichnet wurde. Zudem verschwieg der gemäss eigener Aussage um Ehrlichkeit bemühte Korpskommandant Blattmann den Lesern seines Interviews die wichtige Tatsache, dass es noch Jahre dauern wird, bis die um die Hälfte reduzierte «Schrumpf-Armee» (ohne Fähigkeit zur Landesverteidigung gemäss Art. 58 II BV) «weiterentwickelt» und vollständig ausgerüstet sein könnte. Ob dieser angestrebte Zustand je erreicht werden wird, ist in Anbetracht der dringend nötigen Ausgabenreduktionen im unausgeglichenen Bundeshaushalt bereits wieder fraglich geworden. […]

Eine sehr lesenswerte Broschüre (hier als PDF)

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Eine Antwort auf Die «WEA-Luftschloss-Armee» für den Verteidigungsfall – Eine schonungslose Konfrontation mit den wesentlichen Fakten

  1. Oberst iGst aD Johannes Fischer sagt:

    Mir fehlt schlicht das Verständnis, dass der Chef der Armee so argumentieren kann, ohne dass sein Vorgesetzter, damals BR Ueli Mauer, es korrigiert.

    Ins gleiche Kapitel geht, dass CdA Blattmann von seinen aktiven und inaktiven Berufsoffizieren in hohen Rängen gewünscht hat, dass sie mit Unterschrift bestätigen sollen, sich nicht kritisch zur WEA zu äussern. Es gilt doch immer noch der ungeschriebene Grundsatz, dass „Handeln wider den Befehl“ dann keine unbotmässige Verweigerung ist, wenn die Befolgung des Befehls zum Untergang führen würde. Der von CdA Blattmann hier ausgeübte Zwang wäre mit ein Grund, ihn in seiner Funktion zu ersetzen.

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