Ohne Gesetz, frei nach politischem Gutdünken?

Lesenswertes aus der Oesterreichischen Offizierszeitschrift „Der Offizier“ 4/15:

Wie wir wissen, stammt das Wort Intellektualität vom Lateinischen „intellectualitas“ ab. Dabei geht es um die „Fähigkeit, etwas zu begreifen“. Als wesentliche Kriterien der Intellektualität werden oft

  • hohe Bildung in geistes- und sozialwissenschaftlichen
    und/oder philosophischen Themen,
  • Interesse an Fragen der Politik und des
    gesellschaftlichen Zusammenlebens und
  • öffentlichkeitswirksame Teilnahme am politischen
    Prozess in der Zivilgesellschaft durch analytischkritische Stellungnahme angesehen.

Die österreichischen Offiziere nehmen als Absolventen der Theresianischen Militärakademie und der Landesverteidigungsakademie bzw. der Universitäten für sich in Anspruch, als intellektuell zu gelten, auch wenn die „öffentlichkeitswirksame Teilnahme am politischen Prozess in der Zivilgesellschaft“ eher eine Seltenheit geworden ist. Leider, denn damit geraten sie in die gesellschaftliche Bedeutungslosigkeit.

Doch Führungspersönlichkeiten, und das sind Offiziere zweifellos, müssen auch eine individuelle Meinung zu bedeutenden Themen der Gesellschaft besitzen, als Grundlage für einen konstruktiven Meinungsaustausch mit ihren Mitarbeitern und der Umwelt.

Um eine sachlich objektive Meinung austauschen zu können, um die man bemüht sein sollte, ist es erforderlich, sich eine eigene Ansicht zu bilden. Man muss zu einer Sache eine begründete Entscheidung pro oder kontra treffen, um dadurch seine Position für andere Personen nachvollziehbar artikulieren zu können.

„Idealerweise basiert die individuelle Meinungsbildung auf Fertigkeiten, die in der pädagogischen Literatur unter dem Konzept des ‚kritischen Denkens‘ zusammengefasst werden: Dazu gehören die Fertigkeiten und die Bereitschaft, vorhandene Argumente zu prüfen, Positionen zum Thema kritisch zu hinterfragen, widersprüchliche Informationen zu integrieren und sein Urteil gegebenenfalls zu revidieren.“ Das setzt aber voraus auch andere Ansichten zu kennen und nicht a priori abzulehnen.

Jene, die uns verdummen wollen, arbeiten mit Tot- schlagargumenten wie Verschwörungstheorie oder Meinung von gestern, damit man die Aussagen der Gegenseite gar nicht kennenlernt. Ein intelligenter Mensch dürfte deshalb darauf nicht hören und sollte versuchen, alle Seiten der Argumentation zu erkennen und zu hinterfragen. Wer das nicht tut, verweigert das Denken und wird zum Nachbeter einer vorgegebenen Darstellung.

Die Medien sollten dabei helfen, Argumente für pro und kontra zu finden. Das jedoch wird heute erschwert, durch die „Einheitsmedien“. Wenn man die Medienlandschaft genauer betrachtet, wird man feststellen, dass hier viel „Einheitsbrei“ publiziert wird. Wer glaubt, dass das eben ein Resultat des freien Journalismus sei, irrt, wenn man Eigentumsverhältnisse der Medien und politische Einflussmöglichkeiten auf Medien berücksichtigt.

Die Gleichmacherei wird durch Presseagenturen (wer steht dahinter?) und andere Einflussnahmen gesteuert. Ist es nicht dann ein Gebot der Stunde, auch andere Medien, abseits dieses „Mainstreams“, zu beachten? Oder lassen wir uns sofort wieder durch die oben genannten Totschlagargumente einlullen und unseren Intellekt abblocken? Das könnte das Ziel der Meinungsmacher sein, denen wir jedoch nicht auf den Leim gehen sollten.

Wahrheitsfindung sollte angestrebt werden. Leider ist das heute nicht einmal das Ziel gewisser Wissenschaftszweige – z. B. der Zeitgeschichte. Viel mehr will man eine „politisch korrekte“ gleichgerichtete Information zur Klitterung von Geschehnissen.

Aber wollen wir selbst nicht möglichst nahe an die Wahrheit herankommen? Wenn ja, dann sollten wir doch auf eine breitflächige Information zugehen, viele Seiten einer Darstellung kennenlernen und daraus eine eigene, möglichst objektive Meinung bilden. Deshalb bin ich dafür, auch die Ansichten, die außerhalb des Mainstreams behandelt werden, ohne Scheu zu publizieren und zur Diskussion zu stellen. Nur dann dürfen wir auf unsere Intellektualität hinweisen.

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