Jahresbericht des Präsidenten

Die Lage um die Schweiz – Verkehrte Welt?

Das letzte Jahr haben ein paar wenige Mitglieder und Abonnenten unserer „Sicherheitspolitischen Wochenschau“ angemerkt, dass die Berichterstattung oder mein Jahresbericht etwas russenfreundlich sei. Ich kann dies nachvollziehen. Dennoch muss ich euch gestehen, dass ich auch dieses Jahr von dieser – vielleicht als einseitig empfundenen – Beurteilung nicht abrücken kann. Schliesslich ist die Berichterstattung in unseren Medien mindestens so einseitg NATO-freundlich. Ein Gegengewicht als Ausgleich schadet daher nicht.

Zu Beginn des Jahresberichts blicken wir etwas weiter zurück. In den vergangenen Jahren wurde verschiedenen Länder von der westlichen Wertegemeinschaft Freiheit und Demokratie geschenkt. Mittels militärischer Mittel wurde – meist ohne jeglicher UNO-Resolution oder völkerrechtlicher Konformität – Afghanistan, Libyen, der Jemen oder Mali zu Ihrem staatlichen Glück gezwungen. Die Erfolge sind jedoch – vermutlich völlig überraschend – bescheiden geblieben. Statt „blühenden Landschaften“ nach einem „Arabischen Frühling“ herrscht in vielen Ländern heute ISIS oder andere eher dem Terror zugeneigte Organisationen. Die Lebensumstände haben sich grundsätzlich verschlechtert. Ziel erreicht? Zeit für eine Parade?

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Umso unverständlicher blickt man nach Osteuropa, wo die NATO gegen das angeblich „aggressive“ Russland aufrüstet und Europa vor dem russischen Bären schützen will. Allein mit Propaganda wird eine zuletzt im kalten Krieg dagewesene Drohkulisse aufgebaut, auf welche viele Länder – mann muss es leider so sagen – plump hereinfallen.[1] Haben wir vergessen, dass nicht mehr die sozialistische Sowjetunion im Osten steht, sondern Russland – ein Land welches stets an der Seite Europas stand und viel für den Frieden getan hat? Ohne Russland gäbe es keinen Atom-Deal mit dem Iran, keine Deeskalation in Syrien, kein Minsk-2-Abkommen in der Ukraine. Aggressives Russland?

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Auf der anderen Seite will das Nato-Mitglied Litauen die Wehrpflicht wieder einführen. An der Grenze zu Russland findet in Estland eine Militärparade mit US-Beteiligung statt. Im März stationiert die NATO Panzer und schweres Gerät in Littauen, Lettland und anderen Ländern und führt Manöver im Schwarzen Meer durch. Die Besetzung anderer Länder durch NATO Truppen wird in vielen Ländern als freudiges Ereignis gefeiert. Ein Militär-Convoy fährt zwecks PR quer durch Europa.

Die Zahl der Flugzeuge des Nato-Militärkontingents in den Baltischen Ländern, in Polen und Rumänien ist allein im letzten Jahr auf das Achtfache und die Mannstärke auf das 13-Fache vergrößert worden. „Montenegro, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina, Georgien und die Ukraine bereiten sich intensiv auf den Nato-Beitritt vor“, erklärte der russische Verteidigungsminister Schoigu. Er merkte auch an, dass Finnland, Schweden, Serbien und Moldawien in den Interessenkreis der Allianz einbezogen werden. In diese Länder seien zusätzlich bis zu 300 Panzer und Schützenpanzer verlegt worden und in Rumänien und Polen würden Raketenabwehr-Komplexe stationiert.[2]

Am 11. März 2015 hat Russland deshalb den – bereits 2007 ausgesetzten – KSE-Vertrag (Konventionelle Streitkräfte in Europa) gekündigt. Zur Begründung wurden „außerordentliche Umstände“ genannt, die zum Schutz der Sicherheit Russlands „sofortige Maßnahmen“ erforderten. Die Gründe dafür waren:

  1. Die Überschreitung der Menge an konventionellen Rüstungsgüter der neuen NATO-Mitgliedern, die den Vertrag unterschrieben hatten.
  2. Das Nichterfüllen der 1999 in Istanbul unterschriebenen Übereinkommen über den angepassten KSE-Vertrag, welcher das blockbezogene militärische Gleichgewicht regelt.
  3. Die Weigerung der baltischen Staaten (Litauen, Estland und Lettland), die seit 2004 NATO-Mitglieder sind, den Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa zu unterzeichnen. So entstand ein Territorium an der westlichen Grenze Russlands, in welchem ungeregelt und unkontrolliert Truppen stationiert werden können, etwa aus den USA oder anderen NATO-Mitgliedstaaten.
  4. Die Pläne der USA, ihre militärischen Stützpunkte in den neuen NATO-Mitgliedern Rumänien und Bulgarien zu stationieren.[3]

Danke, NATO, dass – offenbar völlig beabsichtigt – ein für Europa sicherheitsrelevantes Vertragswerk einfach so aufs Spiel gesetzt wurde. Ist diese Reaktion nun Ausdruck eines „aggressiven Russlands“?

Der Zustand der Deutschen Luftwaffe ist desolat. Die Europäische Streitkräfte werden durch Einsätze in Afrika und im Nahen Osten (oder in Afghanistan) so an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit gebracht, dass sie dann für die Verteidigung des eigenen Landes bald Unterstützung durch andere NATO-Staaten benötigen. Und diese Ustü kommt – wie so oft – primär aus den USA. So wird Europa langsam aufgerüstet und die USA setzen sich wieder auf dem Kontinent (mit neuem Material) fest. Ist das nicht naiv zugelassene militärische Okkupation auf dem Schleichweg? Bringt uns die NATO und insbesondere die USA wirklich Frieden?

Es waren doch die Vereinigten Staaten, welche von den 248 bewaffneten Konflikten seit Ende des 2. Weltkriegs alleine 201 Kriege (81%) begonnen haben und mehr als 30 Millionen Menschen ermordeten – das sind mehr als einst Hitlers Nazis auf dem Gewissen haben. 90% dieser Todesfälle sind unschuldige Kinder, ältere Menschen und gewöhnliche Arbeiter, sowie zivile Frauen und Männer. Dies ist nicht ungewöhnlich: Die Vereinigten Staaten befinden sich seit ihrer Gründung im Jahre 1776, von insgesamt 240 Jahren 223 Jahre im Krieg. Das sind 93% der Gesamtzeit der Existenz dieses Staates. Vielleicht erinnern Sie sich noch an den letzten Konflikt, welche die USA auf eigenem Territorium geführt hat? Nicht?

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Krieg ist das Exportgut Nr 1 der USA. Als Exportfördernde Massnahme kommt dazu, dass – wie offizielle Berichte unterdessen bestätigen – alle „Gründe“, die die USA für die bewaffnete Angriffe nannten, nachweislich falsch waren.[4] Im Klartext heisst das, dass Amerikaner und der Westen generell Kriege führen dürfen – gegen wen sie wollen und wo sie wollen.

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Dennoch spielen uns westliche Lügenmedien mit entsprechender Propaganda eine Realität vor, welche bei näherer Betrachtung nicht standhält. Wer Russland versteht macht sich suspekt. Haben Regierungsvertreter nicht immer wieder für „Verständnis“ zwischen den Völkern aufgerufen? Machen sie heute nicht das glatte Gegenteil? Sollen wir denn einfach den Politikern und ihren Bürokraten glauben? Ist das dann noch eine aufgeklärte Gesellschaft?

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Russland startet auf Hilfegesuch und in Zusammenarbeit mit der Syrischen Regierung im Herbst eine Luft-Offensive gegen ISIS und kann innert Tagen grosse Erfolge aufweisen. Nur, wie lässt sich die grosse Zahl an Zielen wie Kommandoposten, Waffenlager, Ausbildungszentren, Oellastwagen und Raffinerien erklären, welche Russland bombardieren? Was haben die USA und ihre Verbündeten denn über zwei Jahre lang (unrechtmässig) bombardiert? Etwa nicht ISIS? Falsche Frage und so bringt man rasch das nächste Thema aufs politische Parkett: Russland soll für die Flüchtlingswelle nach Europa verantwortlich sein. Dumm nur, dass diese Menschenmassen schon vor den russischen Luftangriffen losgetreten wurden.

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Die westlichen Staaten hatten zudem Russland beschuldigt, in Syrien nicht die Terrormiliz Islamischer Staat, sondern so genannte gemäßigte Rebellen zu bombardieren. Moskau dementierte das und fragte den Westen mehrfach nach Koordinaten zu Stellungen der „gemäßigten Opposition“, bekam jedoch nie eine Antwort.[5] Grundsätzlich gilt also im Syrienkonflikt: Wer die legitime (!) aber vom Westen ungewollte Regierung Syriens unterstützt, ist ein Gegner.

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Die Türkei schiesst eine russische SU-24 über Syrien ab, der wenige Sekunden über Türkischem Territorium flog. Wenige Tage zuvor hat die Türkei für ISIS Partei ergriffen und Russland Konsequenzen angedroht, wenn Russland weiterhin ISIS-Stellungen angreifen sollte. Zur Information: Das Oel aus ISIS-Quellen wurde primär über die Türkei verkauft.

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Gewinner aller dieser Vorgänge sind die Rüstungsanbieter und Sicherheitsdienstleister. So werden immer mehr private Armeen von den Staaten eingesetzt. 2010 waren in Irak und Afghanistan 207’000 Söldner und 157’000 Soldempfänger eingesetzt – also 132% des Armeebestands. Im 2. Weltkrieg waren es zum Verleich nur 10%. Das Budget der US-Armee stieg von USD 165 Mia. (1999) auf USD 466 Mia. (2008). Die Afghanistan-Ausgaben sind kumuliert mittlerweile größer als die Ausgaben im Zuge des Marshall-Plans in ganz Europa zusammen genommen: Auch nach Berücksichtigung der Inflation liegen sie bei derzeit etwa 110 Mrd. US-Dollar. Die USA haben innerhalb von zwei Jahren für Ausrüstung und Trainings der Soldaten in der Ukraine mehr als 266 Millionen Dollar ausgegeben[6].

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Im abgelaufenen Jahr haben zudem amerikanische Rechtsanwälte dafür gesorgt, dass europäische Unternehmen bzw. Banken wiederum Milliarden für die Beilegung von Streitfällen hinblättern mussten.

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Natürlich erhält Europa auch etwas im Gegenzug. Letzes Jahr waren es Abertausende von Flüchtlingen, welche aus den Kriegsregionen nach Europa geflüchtet oder gelotst wurden. Wen dies überrascht hat, kennt wohl nicht die Warnung, welche einst ein Muammar al-Gaddafi in einem Interview[7] bzw. in einer Rede[8] geäussert hat. Grundsätzlich stellt sich die Frage, wenn die Menschen vor Gaddhafi und Assad flüchten, wieso taten Sie dies nicht schon früher? Wer hat den Krieg in diese Länder gebracht? Wer ist schlussendlich verantwortlich für die Krise? Russland? Bitten wir die westlichen Kriegstreiber zur Kasse?

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Eine naive, kurzsichte „Willkommenskultur“ bringt europäische Länder sprichwörtlich an ihre Grenzen. Die EU schafft bürokratische Kontingente und versucht die Folgen der Völkerwandung in den Griff zu bekommen. Was dabei sauer aufstösst: Lieber kümmert man sich öffentlichkeitswirksam um Flüchtlingsfamilien, als die eigenen Obdachlosen und Bedürftigen zu unterstützen. Dennoch tauchen tausende von Flüchtlingen unter. Wobei „Flüchtlinge“ können das völkerrechtlich nicht mehr sein, wenn sie aus einem sicheren Nachbarland weiterziehen. Aber wer kümmert sich schon ums Völkerrecht?! Umso mehr legen EU-kritische Parteien in ganz Europa zu. Übergriffe auf Frauen, Jugendliche und Kinder werden von der Polizei bewusst unterschlagen. Das Establishment oder die „classe politique“ fährt nun die Ernte ihrer Günstlings- und Misswirtschaft ein.

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Wirtschaftlich war das Jahr ebenso ereignisreich: Die EZB öffnet die Geldschleusen und pumpt nun monatlich EUR 70 Mia. ins Geldsystem. Neu dürfen auch Staatsanleihen gekauft werden. Wie schlimm muss es um unser Geldsystem stehen, wenn man selbst dann zu solchen Massnahmen greift, wenn die Zinsen schon jetzt extrem tief oder negativ sind?

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Im Frühling starteten die weltweiten Finanz-Innovations-Wettspiele. Mexico begibt eine 100-jährige Anleihe in Euro.[9] Mehrere Zentralbanken enteignet Sparer mit Negativzinsen. Quizfrage: Wie hoch beträgt der abdiskontierte Wert von Schulden bei negativem Zins? Antwort: unendlich. Überlegt euch einmal, was dies für eure Kinder und Enkel bedeutet.

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Wenn Privatpersonen und institutionelle Anleger (z.B. Pensionskassen) aufgrund der Negativzinsen beginnen, ihre Cash-Bestände abzuheben und in Form von Papiernötli zu lagern weil es günstiger kommt, dann wird Bargeld für die Banken zum Problem. Sollten diese Bargeld-Bestände immer mehr und immer schneller abgehoben werden, ist dies mit einem „Bankrun“ zu vergleichen. Die Bank gerät ins Schwanken und in eine „Liquiditätsfalle“. Deshalb muss Bargeld verboten, oder der Einsatz von Bargeld drastisch eingeschränkt werden. Bargeld wird zum neuen „Schwarzgeld“!

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Die Schweizer 1’000-er Note erlebt ein Revival: Auf jeder 10. gedruckten Note steht die Zahl 1’000. Die Nachfrage hat sich verdoppelt. Im Mai 2015 sind 41.6 Mia. in Form von Tausendernoten in Zirkulation.[10] In Frankreich rapportieren deshalb Banken neu an der Finanzpolizei, wenn Bürger mehr als EUR 10’000 von einer Bank abheben oder einbezahlen. Vordergründig geht es um „Terrorbekämpfung“. Eher geht es auch um die Möglichkeit, das Steuersubstrat unter Kontrolle zu halten. Niemand entkommt mehr dem Fiskus. Denn wir alle wissen: Die Probleme der Welt sind nur noch nicht gelöst, weil der Staat zu wenig Geld dafür hat, oder? Und wie gross ist nochmals der abdiskontierte Wert von Schulden bei negativem Zins? Unendlich! Merkt ihr etwas?

Mit der vorgetäuschten Terrorbekämpfung wird alles begründet: der Polizeistaat, die Überwachung, die Ausspähung, die Kontrollen, die Zensur, die Freiheitseinschränkungen, die Zerstörung der Verfassung und selbstverständlich alle Kriege. Im Endeffekt geht es nur um die Schaffung künstlicher Feindbilder gegen die man einen Krieg führen kann, um staatliche Macht auszudehnen. Das Militär dient dabei oft als Schlägertruppe.[11] Hat hier jemand von Mafiaverhältnissen gesprochen?

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Weitere vermischte Meldungen, die zum Nachdenken anregen:

  • Griechenland stimmt ab und niemand will den Volksentscheid akzeptieren.
  • Präsident Obama gibt zu, dass man ISIS ausbildet[12]
  • Mit dem Iran wird ein Atom-Abkommen abgeschlossen. Damit müsste der Grund für den Raketenschild an Europas Ostgrenze (sic! Geografie?) wegfallen. Doch der „Raketenschild“ der USA in Europa wird weitergebaut und erprobt.[13]
  • China meldet im Juli, 1658t Gold zu besitzen. Das sind rund 60% mehr als früher kommuniziert. Allerdings behauptet Peking, die Differenz von rund 600t innerhalb des Monats Juni 2015 gekauft zu haben, also just im letzten Moment vor der Publikation. Sollte dies stimmen, hätte der Goldpreis explodieren müssen. Doch er fiel.
  • Über 500 Personen fühlen sich als rechtmässige Eigentümer für jede in der COMEX gelagerten Goldunze.[14]
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  • Der portugisische Präsent verhindert die Regierungsbildung weil das politische Bündnis gegen die EU ist.[15]
  • Russland verkauft 22 Mia. an US-Staatsobligationen – rund 20% des Bestandes.
  • Der amerikanische Geheimdienst CIA schleust jahrelang Bargeld nach Afghanistan. Mit dem Geld soll die Regierung von Präsident Karzai unterstützt werden. Doch ein großer Teil des Geldes landet ausgerechnet beim Erzfeind, den Taliban. Unvermögen oder Absicht?[16]
  • Die Ukraine beginnt mit dem Bau einer Mauer an der Grenze zu Russland – mit Geldern der EU.[17]
  • Das Pentagon ist die einzige staatliche Organisation der USA, welche keiner jährlichen Buchprüfung unterzogen wird – und dies seit 20 Jahren! Zum Glück sind das nur USD 8.6 Billionen[18]. Wer vermutet hier schon Korruption und Vetternwirtschaft? Und ja, die NSA tut nur Gutes.
  • Die Ukraine verschwindet völlig vom medialen Radarschirm – die Kämpfe gehen aber weiter.
  • Urplötzliche russische Militärübungen sind oft eine Überraschung für die NATO, daher will die Allianz über die OSZE bei Russland durchsetzen, dass es über Übungen von gewissem Maßstab im Voraus benachrichtigt wird, und einen dazugehörigen Mechanismus ‚unangemeldeter‘ Inspektionen entwickeln. Das tönt nach Bankrotterklärung westlicher Geheimdienste.[19]
  • Assat soll sein eigens Oel von ISIS abkaufen. Beweise soll es geben, die sind aber leider nicht vorzeigbar. Aber die westlichen Regierungen haben natürlich keine Hinweise, dass die Türkei Oel von ISIS abkauft.
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  • Kaum jemand interessiert sich für TTIP. Dabei steht dort, dass neue Gesetzesentwürfe – noch bevor sie im Parlament behandelt werden – vor einer EU-US-Kommission darauf geprüft werden müssen, ob sie den Unternehmen schaden könnten. Sollte ein Gesetzesvorschlag (!) dies tun, würde er erst gar nicht zur parlamentarischen Behandlung zugelassen (!). Echte Demokratie, nicht wahr?
  • Das Zitat des Jahres kommt von François Hollande: „Nein, das kostet nichts, das zahlt der Staat!

Noch zwei Überlegungen zu den Anschlägen in Paris:

  1. Entweder a) die Nachrichtendienste wussten nichts von den Vorbereitungen, dann erscheint es doch etwas überraschend, dass kurz nach den Anschlägen schon klar war, wer der Anführer sein musste. Oder dann b): Die Nachrichtendienste wussten von den Vorbereitungen, haben aber nichts dagegen unternommen. Aber selbstverständlich brauchen die Geheimdienste mehr Finanzmittel!
  2. Washington hat es laut Quellen im französischen Finanzministerium abgelehnt, auf Anfragen aus Paris zu den möglichen Finanzierungsquellen der Anschläge am 13. November eine Antwort zu geben. Und das obwohl es zwischen den USA und der EU ein Abkommen gibt, gemäß welchem die EU-Staaten auf US-Daten über Finanzquellen von Terroristen zugreifen können.

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Und nun frage ich Sie: Sind dies Anzeichen der Entspannung? Sind wir von Freunden umzingelt?

Die Lage in der Schweiz und der Armee – Überraschungen, Banalitäten und potemkinsche Dörfer

Anfang Jahr hat die Nationalbank dem Druck nachgegeben und die Kursuntergrenze zum Euro aufgegeben. Auf den Eurobeständen fährt die SNB augenblicklich einen Verlust von fast 100 Mia. CHF ein. – Das Eigenkapital wurde negativ. Auf der anderen Seite nimmt die SNB dank der Negativzinsen monatlich CHF 100 Mio. ein [20] – ein Tropfen auf den heissen Stein. Ende Januar sind alle Renditen von Staatsanleihen im negativen Bereich.[21] Ob das längerfristig für AHV und Renten von Vorteil ist? Auch die SNB enteignet Sparer mit Negativzinsen – obschon die Enteignung in der Verfassung verboten ist. Der Aufschrei im Volk ist wohl im Hals stecken geblieben.

20150410 10425391_10153207180284670_7258879380801141753_nIm Herbst wurde ein neues Parlament bestellt. Der von links befürchtete „Rechtsrutsch“ fand zwar statistisch statt, hat aber ausser einem zweiten SVP-Bundesrat noch keine grundsätzlichen Kursänderungen an den Tag gebracht. Weiterhin glaubt man an den Atomausstieg, die Energiewende, den ewigen Frieden und an eine uns freundlich gesinnte EU.

EWS

Die Flüchtlingskrise hat die Schweiz – zum Glück – bisher nur gestreift. Aber auch hier formiert sich Widerstand gegen den Verteilschlüssel. Gemeinden gehen auf die Barrikade oder kaufen sich frei.

Kurz vor der Ziellinie wurde im Juni die Armeereform WEA im Nationalrat in die Verlängerung geschickt. In der Gesamtabstimmung verweigerten SVP und Linke die Gefolgschaft. Ein harter Schlag für den CdA, der schon die ganze Reform im Trockenen glaubte. Der Zeitplan für die Umsetzung musste daher um ein Jahr nach hinten verschoben werden. Und natürlich – wie schon bei der Gripen-Abstimmung – hatte die Armee keinen „Plan B“. Eventualplanung scheint auf der militärpolitischen Stufe ein Fremdwort zu sein. Überdies scheint man so auf die Erhöhung der finanziellen Mittel für die Armee ausgerichtet zu sein, dass sämtliche Überlegungen über die Leistung einer verkleinerten Armee beiseite schiebt.

Leser der Sicherheitspolitischen Wochenschau der FOG erhalten wöchentlich einen umfassenden Blick auf die Geschehnisse in der Welt. Die Lage ist wirklich düster. Doch inmitten dieser hochbrisanten, beunruhigenden Lage lebt die Schweizer Armee mit ihren Medienmitteilungen in einer rosaroten Traumwelt. Reportagen über Azubis in der LBA, Erfolge der Sportler-Rekruten und natürlich die platten und belanglosen Kolumnen des CdA im Blick am Abend. Können Sie sich vorstellen, dass der amerikanische, chinesische oder russische Verteidigungsminister in einer boulvardesken Pendlerzeitung eine Kolumne schreibt? Ist dies das angestrebte geistige Niveau?

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Wo andere Armeen echte Weiterentwicklungen mit Anti-Dronen-Abteilungen, verbesserter EKF, neuen Panzerkonzepten, Kampfflugzeugen der 6. Generation und Vernetzung des Gefechtsfelss vollziehen, geschieht in der Schweiz nicht einmal ansatzweise etwas Vergleichbares. Doch die Schweizer Bevölkerung glaubt noch immer daran, dass die Armee – wie einst mit der Armee 61 – jederzeit bereit wäre, innert Stunden Tausende von Soldaten aufzubieten. Vom Abbau der letzten 25 haben die wenigsten Kenntnis genommen. Dass unsere „strategische Reserve“ auf die Knochen abgemagert ist und einen rüstungstechnisch aufgestauten Nachholbedarf von über CHF 20 Mia. aufweist, wissen nicht einmal unsere gewählten Politiker. Lieber verhilft man einer – einmal mehr von Beginn weg – unterfinanzierten Armeereform auf den Weg und beklatscht den „Durchbruch“.

Und wenn dann einmal ein ausserordentlicher Geldsegen auf die Armee niederprasselt, so fehlen die Fachspezialisten. Aber sicher: Das Potemkinsche Dorf Armee wird bestimmt demnächst den Wakkerpreis gewinnen. Applaus, Applaus!

Schweizerische und Aargauische Offiziersgesellschaft

Von der SOG hört man nicht viel. Die SOG verabschiedet zwar ein neues Positionspapier zur Sicherheitspolitik doch kein Offizier kommentiert den Beitrag auf dem Blog [22]. Vielleicht fühlen sich einfach alle etwas überrumpelt, denn eine ausführliche Diskussion über das Papier fand nicht statt. Wieso dieses Papier inmitten der Diskussion um die WEA publiziert werden musste, konnte man bisher nicht beantworten.

Im Sommer erhält die AOG einen neuen Präsidenten. Erfreulicherweise konnte sich Oberst Peter Balzer von der FOG durchsetzen. Wir wünschen Ihm für seine drei Jahre alles Gute. Eher unerfreulich endet die Legislatur zwischen AOG und FOG. Die Differenzen bezüglich der statutenwidrigen Beitragserhöhung konnten nicht bereinigt werden. Die FOG schlug vor, den von der AOG geforderten Mitgliederbeitrag für das Jahr 2014 abzuschreiben, die überwiesenen Beiträge der anderen Sektionen als „Spenden“ zu deklarieren und den Fehler im Vorgehen einzugestehen. Dann wäre die FOG bereit gewesen, den zweistelligen Betrag als Spende der AOG zu überweisen. Die sachliche Auseinandersetzung wurde an der Generalversammlung der AOG unterbunden.

FOG – Ruhiges Jahr mit neuen Mitgliedern

Schon fast traditionell wurden im vergangenen Jahr wiederum die vierteljährlichen Quartalsrapporte durchgeführt. Im Januar und April konnten die Teilnehmer in die Kristallkugel schauen und verschiedene Aspekte nach ihrem Zustand per 31.12.2015 einschätzen. Es ging um FIFA-Präsidenten, Abstimmungsergebnisse, Wechselkurse und Preise von Goldvreneli. Als bester Prognostiker wurde im Winter-Rapport 2016 Stephan Benz erkoren. Wir gratulieren.

Die Vereinsversammlung 2015 fand mit 16 Teilnehmer im Anker Mumpf statt. Die Anwesenden prüften die rechtlichen Grundlagen der WEA und schauten etwas hinter die Kernbotschaften aus dem VBS.

Im April konnten unsere Offiziere ihren Herzdamen die (treff-)sichere Handhabung der Pistole beibringen und Ende Mai traf man sich in der RSA Schlauen zum kombinierten Schiessen von Bundesprogramm und Feldschiessen. An den Internationalen Schiesswettbewerb in Eschbach fuhren gleich zwei Detachemente. Mit der Platzierung konnte man zufrieden sein. Die Ambitionen für 2016 sind aber höher.

Die Sicherheitspolitische Wochenschau erreicht Ende Jahr 192 Empfänger. Einige davon konnten davon überzeugt werden, für diese Leistung einen finanziellen Beitrag in die Vereinskasse zu leisten.

Ende 2015 betrug der Mitgliederbestand 98 (Aktiv- und Jung-)Mitglieder sowie 26 Gönner, also insgesamt 124, was eine Zunahme von 12 Mitgliedern bedeutet. Erfreulich sind die Neueintritte junger Offiziere, welche wir herzlich bei uns begrüssen.

Auch dieses Jahr haben wir keine Kenntnis von verstorbenen Mitgliedern erhalten. Der Vorstand hat im Verlaufe des Jahres ein „Todesfallkonzept“ entwickelt. Es geht dabei darum, vom Tod des Mitglieds rasch Kenntnis zu erhalten; 
den Verstorbenen und seinen Beitrag zur FOG zu würdigen; 
gegenüber der Trauerfamilie korrekt aufzutreten; 
allfällige Wünsche des Mitglieds zu berücksichtigen; 
die Mitglieder des Vereins kompetent informieren zu können. 
Die Umsetzung wurde im Januar 2016 gestartet.

Wie immer danke ich meinen Vorstandskameraden für die gute und angenehme Zusammenarbeit. Besonderen Dank hat Oberstlt Daniel Laube verdient, welcher die FOG Kasse in den letzten vier Jahren korrekt geführt hat. Auch Hptm Simon Stocker trat als Verbindungsoffizier zur OGBB zurück. Auch ihm gebührt Dank für seine Arbeit in den letzten Jahren.

Es kommt nicht darauf an, die Zukunft vorherzusagen, sondern auf die Zukunft vorbereitet zu sein.“ In diesem Sinne von Perikles bereiten wir uns weiterhin auf die kommenden herausfordenden Jahre vor.

Der Präsident, Oberstlt i Gst Markus M. Müller

Rückblick in Bildern, Comics und Grafiken:

Quellen:

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Eine Antwort auf Jahresbericht des Präsidenten

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