{"id":1504,"date":"2011-01-26T01:49:07","date_gmt":"2011-01-25T23:49:07","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.ggstof.ch\/?p=1306"},"modified":"2011-02-02T16:08:22","modified_gmt":"2011-02-02T14:08:22","slug":"der-wahre-bericht-von-pierre-maudet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fricktaleroffiziere.ch\/?p=1504","title":{"rendered":"Der &#8220;wahre Bericht&#8221; von Pierre Maudet"},"content":{"rendered":"<p>Im Dezember 2010 ist die schweizerische Sicherheitspolitik durch einen \u201c<a href=\"http:\/\/ow.ly\/3FJ3W\"><em>wahren Bericht<\/em><\/a>\u201d bereichert worden. Er stammt aus der Feder von <a href=\"http:\/\/www.ville-geneve.ch\/conseil-administratif\/membres-conseil-administratif\/pierre-maudet\/\">Pierre Maudet<\/a>, Stadtrat der Stadt Genf, Leiter des Departements f\u00fcr St\u00e4dtische Umwelt und Sicherheit. Am 17. Januar 2011 ist dieser Bericht anl\u00e4sslich einer Pressekonferenz in Bern vorgestellt worden. Alle Mitglieder der sipol Kommissionen von National- und St\u00e4nderat sowie der C VBS sind damit bedient worden.<!--more--><span id=\"more-1306\"> <\/span><\/p>\n<p><strong>Es lohnt sich<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>den Bericht zur Hand zu nehmen und sorgf\u00e4ltig zu lesen<\/li>\n<li>sich an zahlreichen Ungereimtheiten nicht zu stossen<\/li>\n<li>\u00fcber Unh\u00f6flichkeiten geflissentlich hinweg zu gucken<\/li>\n<li>zu versuchen, das effektiv Positive zu erkennen<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u2026auch wenn man sehr rasch zum Schluss kommt, dass der Autor in jugendlichem \u00dcbermut etwas viel aufs Mal will.<\/p>\n<p><strong>Das Positive vorweg<\/strong>:<\/p>\n<ul>\n<li>ein engagierter Stadtrat, der sich die Zeit nimmt, \u00fcber den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und sich f\u00fcr die schweizerische Sicherheitspolitik engagiert,<\/li>\n<li>ein weiterer besorgter B\u00fcrger, der sich mit der Qualit\u00e4t der vorliegenden Berichte (SIPOL B 2010, Armeebericht 2010) nicht anfreunden kann und eine gezielte nationale Debatte anregt,<\/li>\n<li>ein Kenner der internationalen Szene in Genf, der sich in seiner t\u00e4glichen Arbeit mit Risiken und Gefahren konfrontiert sieht, die in der \u00d6ffentlichkeit entweder allzu leichtfertig abgehandelt oder schlicht nicht zur Kenntnis genommen werden,<\/li>\n<li>ein junger Politiker, dem Vernetztheit und Globalisierung nicht lediglich theoretische Begriffe sind, sondern sie in seiner t\u00e4glichen Arbeit erlebt,<\/li>\n<li>ein Politiker, dem die Begriffe Cyberwar bzw. Cyberattacken, Terrorismus nicht fremd sind und der konkrete Massnahmen fordert,<\/li>\n<li>ein junger Politiker, der sich nicht scheut, gewisse Dinge beim Namen zu nennen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Fragw\u00fcrdig und teilweise unausgegoren:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>wenig verst\u00e4ndliche Aussagen, z.B. \u201c<em>ein Teil der f\u00fcr die Armee bestimmten Mittel sollen neu f\u00fcr zivile Beh\u00f6rden und insbesondere f\u00fcr die St\u00e4dte eingesetzt werden<\/em>\u201d (Seite 5).<\/li>\n<li>Betrachtet man die vom Autoren aufgez\u00e4hlten bedrohten Infrastruktureinrichtungen nationaler Bedeutung (Seite 9), vergleicht diese Aufz\u00e4hlung mit der Liste jener Objekte, die gesch\u00fctzt werden m\u00fcssen und stellt diese Aufz\u00e4hlung in Beziehung zum vorgeschlagenen Armeebestand, dann geht die Rechnung nicht auf.<\/li>\n<li>Die Argumentation, die zur Forderung nach einem Eidgen\u00f6ssischen Sicherheitsdepartement f\u00fchrt, vermag nicht recht zu \u00fcberzeugen. Der Sicherheitsverbund Schweiz verlangt in erster Linie nicht nach neuen Strukturen, sondern danach, dass die Grundidee gelebt wird.<\/li>\n<li>Die unter dem Kapitel \u201cKatastrophenhilfe\u201d aufgef\u00fchrten Erwartungen an die Armee sind illusion\u00e4r.<\/li>\n<li>3 waffengattungs\u00fcbergreifende mechanisierte Brigaden sollen jederzeit einsatzbereit sein. Wie reimt sich das mit der Forderung, wonach jene B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, die sich freiwillig f\u00fcr 3-4 Jahre zur Verf\u00fcgung stellen, gleichzeitig noch einen Beruf erlernen oder die Vertiefung und Anerkennung von Hochschulabschl\u00fcssen erm\u00f6glichen sollen?<\/li>\n<li>usw.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Leider<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>verpasst es der Autor zu fordern, dass es ureigenste Aufgabe der Landesregierung w\u00e4re, die nationalen Interessen zu umschreiben. Diese w\u00e4ren die Richtschnur f\u00fcr s\u00e4mtliches Handeln und Lassen unserer Regierung. Dazu geh\u00f6rt die von Pierre Maudet sehr zu Recht monierte Sicherstellung der Energieversorgung unseres Landes,<\/li>\n<li>glaubt der Autor, mit Rundschl\u00e4gen Goodwill zu schaffen, z.B. wenn er den Nachrichtendiensten gesamthaft Versagen vorwirft,<\/li>\n<li>verpasst es der Autor, auf den <a href=\"http:\/\/www.ssn.ethz.ch\/Themendossiers\/Dossier-Archiv\/Neuer-Sicherheitspolitischer-Bericht\/Chronologie\">Bericht Brunner aus den 90-er Jahren<\/a> hinzuweisen, in welchem alt Staatssekret\u00e4r Edouard Brunner den Vorschlag gemacht hat, sich ernsthaft zu \u00fcberlegen, ob die Schweiz zur Wahrung der Inneren Sicherheit und zur Unterst\u00fctzung der kantonalen Polizeikorps nicht etwas \u00c4hnliches wie die franz\u00f6sische \u2018Gendarmerie nationale\u2019 aufstellen m\u00fcsste, um die Armee von Aufgaben, die jeder Armee grunds\u00e4tzlich wesensfremd sind, zu entlasten.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Fazit<\/strong>:<br \/>\nDer Bericht Maudet ist durchaus lesenswert. Er spricht wesentliche Dinge und sicherheitspolitische Herausforderungen im Klartext an. Schw\u00e4chen kann man getrost \u00fcbergehen.<\/p>\n<p><strong>Und zu guter Letzt eine Klarstellung<\/strong>:<br \/>\nWir erinnern uns alle an das Bild, das in der Tagespresse erschienen ist, auf welchem der Genfer Stadtrat Pierre Maudet im Zentrum erscheint, flankiert von zwei ehemaligen H\u00f6heren Stabsoffizieren, Christophe Keckeis, KKdt a D, und Peter Arbenz, Br a D. Das Bild und die Schlagzeilen haben eine Botschaft signalisiert, die zu irrigen Schl\u00fcssen verleitet hat.<\/p>\n<p>Ich habe den ehemaligen Chef der Armee, KKdt Christophe Keckeis, darauf angesprochen.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst ist festzuhalten, dass die beiden HSO an der Pressekonferenz vom 17. Januar 2011 in Bern anwesend waren \u201c<em>afin d\u2019apporter un message respectif d\u2019expert en mati\u00e8re de s\u00e9curit\u00e9 et non pas comme co-auteur du rapport<\/em>\u201c. Damit ist klar gesagt, dass die in gewissen Tageszeitungen ver\u00f6ffentlichte Botschaft, wonach der ehemalige CdA die Abschaffung der Allgemeinen Wehrpflicht oder einen Gesamtbestand von 20\u2019000 AdA unterst\u00fctze, falsch ist.<\/p>\n<p>Anl\u00e4sslich der eigentlichen Pressekonferenz hat sich Christophe Keckeis positiv zu folgenden Punkten ge\u00e4ussert (Zitat):<\/p>\n<p><em>\u201cJ\u2019ai relev\u00e9<\/em><\/p>\n<ul>\n<li><em>le travail engag\u00e9 d\u2019un jeune officier et politicien de milice,<\/em><\/li>\n<li><em>les id\u00e9es originales afin de relancer le d\u00e9bat autour des rapports officiels,<\/em><\/li>\n<li><em>l\u2019approche factuelle de certains tabous,<\/em>\n<ul>\n<li><em>l\u2019approche transfrontali\u00e8re des r\u00e9flexions concernant les menaces dans un monde globalis\u00e9,<\/em><\/li>\n<li><em>l\u2019importance du service de renseignements en amont de toutes les d\u00e9cisions en mati\u00e8re de s\u00e9curit\u00e9,<\/em><\/li>\n<li><em>toutes les id\u00e9es de Maudet pour une politique \u00e9trang\u00e8re proactive (besoin de coop\u00e9ration) dans le domaine de la d\u00e9fense de la Suisse \u00e0 long terme,<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li><em>l\u2019id\u00e9e d\u2019un D\u00e9partement de la S\u00e9curit\u00e9.\u201d<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>Alle \u00fcbrigen Punkte, insbesondere die \u201cpoints explosifs\u201d des Rapportes Maudet, sind ausschliesslich Sache des Autors des \u201cwahren Berichts\u201d.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Wir haben es wieder einmal mit der alten Tatsache zu tun, dass ein Bild mehr sagt als 1\u2019000 Worte. Die pr\u00e4zisierenden Worte des ehemaligen Chefs der Armee gingen unter. Das heisst aber bei weitem nicht, dass man mit der Wertung von Christophe Keckeis einig gehen muss, aber die beiden HSO aufgrund der Pressekonferenz vom 17. Januar in Bern abzuqualifizieren, ist unfair und dient der Sache nicht.<\/p>\n<p><a title=\"Flattr\" href=\"http:\/\/www.ggstof.ch\/blog\/?flattrss_redirect&amp;id=1306&amp;md5=61299a18b7290a211397a06f485d25bd\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ggstof.ch\/blog\/wp-content\/plugins\/flattrss\/img\/flattr-badge-large.png\" alt=\"flattr this!\" \/><\/a><\/p>\n<div style=\"text-align: left; margin: 0px 0px 0px 0px;\"><a style=\"text-decoration: none; outline: none;\" href=\"http:\/\/blog.ggstof.ch\/?p=1306&amp;pfstyle=wp\"><img decoding=\"async\" class=\"printfriendly\" src=\"http:\/\/cdn.printfriendly.com\/pf-button.gif\" alt=\"PrintFriendly\" \/><\/a><\/div>\n<p class=\"wp-flattr-button\">\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.ggstof.ch\/blog\/wp-content\/plugins\/comments-on-feed\/comments-template.php?id=1306\">Write a quick comment<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Dezember 2010 ist die schweizerische Sicherheitspolitik durch einen &#8220;wahren Bericht&#8221; bereichert worden. 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