{"id":3514,"date":"2012-08-01T23:56:18","date_gmt":"2012-08-01T21:56:18","guid":{"rendered":"http:\/\/aargauer-offiziersgesellschaft.ch\/?p=636"},"modified":"2012-08-01T23:56:18","modified_gmt":"2012-08-01T21:56:18","slug":"ansprache-des-aog-prasidenten-zum-1-august","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fricktaleroffiziere.ch\/?p=3514","title":{"rendered":"Ansprache des AOG-Pr\u00e4sidenten zum 1. August"},"content":{"rendered":"<p>Sehr geehrte Frau Gemeindeammann,<br \/>\nliebe Schweizerinnen und Schweizer, liebe G\u00e4ste<\/p>\n<p>Herzlichen Dank f\u00fcr die Einladung, heute hier in der Gemeinde Untersiggenthal die 1. August-Rede zu halten. Mein Bezug zu Untersiggenthal ist ein milit\u00e4rischer: Der Name \u201eSiggenthal Station\u201c hat mich jahrelang in meinem Dienstb\u00fcchlein begleitet als der Ort, an dem ich im Kriegsfall h\u00e4tte einr\u00fccken m\u00fcssen \u2013 das waren andere Zeiten\u2026<\/p>\n<p>Mit 1.August-Feiern habe ich durchaus Erfahrung und auch ich wurde im Ausland patriotischer: Ich war 2 Jahre als Milit\u00e4rbeobachter im Nahen Osten und wir haben am 1. August 2007 in Jerusalem im Hauptquartier der UNO-Mission eine Feier f\u00fcr unsere Kollegen aus allen Teilen der Welt organisiert mit 1.August-Feuer, Armbrust-Schiessen, Alphorn, R\u00fctli-Schwur, Umzug samt einer Kopie des Bundesbriefes vom 1. August 1291.<span id=\"more-678\"><\/span><\/p>\n<p>Ich habe aber damals und auch sonst immer gesagt, dass wir in der Schweiz einen <strong><span style=\"text-decoration: underline;\">\u201eleisen\u201c Patriotismus<\/span><\/strong> haben. Wir feiern den 1. August nicht mit Milit\u00e4rparaden; das w\u00e4re uns zu laut und zu pomp\u00f6s. Vielmehr sind wir Schweizerinnen und Schweizer am Tag der Bundesfeier gerne zuhause im Garten, laden Freunde und Familie ein und legen eine Cervelat auf den Grill. Interessanterweise gibt es ja keine offizielle Feier des Bundes oder des Kantons Aargau: Am 1. August l\u00f6st sich die Eidgenossenschaft in ihre 2\u2018495 Gemeinden auf, um die Gr\u00fcndung und die Einheit der Eidgenossenschaft zu feiern.<\/p>\n<p>Ich bin als Pr\u00e4sident der aargauischen Offiziersgesellschaft hier. Der 1. August bietet die Gelegenheit f\u00fcr ein paar grunds\u00e4tzliche Gedanken. Solche m\u00f6chte ich zu formulieren versuchen zu den Stichworten \u201eOffizier\u201c, \u201eArmee\u201c und \u201eWehrpflicht\u201c. Da ich von Hause aus Historiker bin, betrachte ich die Dinge oft aus ihrer Geschichte heraus. Unsere Gegenwart hat ja eine Vorgeschichte; sie ist auf vielf\u00e4ltige Weise mit der Vergangenheit verbunden und ich finde, es lohnt sich, sich dar\u00fcber Rechenschaft abzulegen.<\/p>\n<p>Ich erspare uns heute die Frage, ob es den R\u00fctlischwur und den Tell tats\u00e4chlich gegeben hat. Beides geh\u00f6rt untrennbar zu unserer Schweiz als Gr\u00fcndungsmythos. Die interessantere Frage ist, seit wann und warum wir den 1. August eigentlich feiern und was das mit den Offiziersgesellschaften zu tun hat.<\/p>\n<p>Die Schweizerische Offiziersgesellschaft wurde 1833 gegr\u00fcndet, also im turbulenten 19. Jahrhundert mit der Dynamik, die dann zur Schaffung des Bundesstaates von 1848 gef\u00fchrt hat. Auch die Offiziersgesellschaft hat sich daf\u00fcr eingesetzt. In den zentralen Offizierskursen der Eidgenossenschaft trafen sich Offiziere \u00fcber Kantonsgrenzen hinweg und viele waren beseelt von der Idee, eine moderne Schweiz zu schaffen und den Kant\u00f6nligeist zu \u00fcberwinden. Dies gelang 1848, nicht zuletzt als Folge der Niederlage der Innerschweiz im Sonderbundskrieg von 1847. Es gab also Sieger und Besiegte, frische Verletzungen, die nur langsam vernarbten. Damit galt es im jungen Bundesstaat, Gr\u00e4ben zu \u00fcberwinden, die milit\u00e4risch und politisch Besiegten wieder an den Tisch zu holen und zu integrieren. <strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Dies ist die Funktion des 1. August<\/span><\/strong>: Man erinnerte sich an die \u201eWiege der Eidgenossenschaft\u201c \u2013 die Innerschweiz \u2013 und an den Mythos des R\u00fctlischwurs vom 1. August 1291. In dieser Zeit wurde daraus der Gr\u00fcndungsmythos der Schweiz. Damit wurden die Gr\u00e4ben im jungen Bundesstaat von 1848 zugesch\u00fcttet.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist der 1. August deshalb nicht nur der Tag der Erinnerung an die Gr\u00fcndung der Eidgenossenschaft im Mittelalter, sondern auch ein Tag der Erinnerung daran, dass Andersdenkende (im 19. Jahrhundert die katholisch-konservative Innerschweiz) integriert werden m\u00fcssen und dass es in jedem Konflikt nach dem Sieg einen Mechanismus braucht, um die Besiegten wieder an den Tisch zu holen.<\/p>\n<p>Die schweizerische Offiziersgesellschaft ist eng mit dieser Geschichte verkn\u00fcpft. Offiziersgesellschaften haben sich damals auch daf\u00fcr eingesetzt, dass bei Morgarten ein Schlachtendenkmal gebaut wurde \u2013 genau aus denselben Gr\u00fcnden: zur Erinnerung an die alten Eidgenossen, aber auch mit der Botschaft: seid einig, ihr jungen Eidgenossen.<\/p>\n<p>Zum ersten Stichwort: <strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Was soll denn ein Offizier sein?<\/span><\/strong> Die Frage habe ich immer wieder gestellt, mir selber, aber auch Menschen, die mir begegnet sind, und auch den Soldaten in dem Bataillon, das ich in den vergangenen vier Jahren kommandiert habe. Aus diesen Feedbacks l\u00e4sst sich folgende Erwartung an den Offizier herausdestillieren: Der Offizier soll fordern, aber fair mit den Leuten umgehen. Er soll auch einmal \u201eS\u2019F\u00f6ifi lo grad si\u201c, also situativ entscheiden und nicht stur. Er soll aber vor allem entscheiden und als Person fassbar sein, auch wenn er Ecken und Kanten hat. Diese Erwartungen sind kaum anders als die Erwartungen an jeden Chef im Zivilen. Sie haben sich wahrscheinlich auch kaum ver\u00e4ndert in den letzten Jahrzehnten.<\/p>\n<p>Unver\u00e4ndert ist es auch innerhalb der Armee und vor allem innerhalb des Offizierskorps so, dass es zwei grunds\u00e4tzlich verschiedene Ideen davon gibt, was ein Offizier sein soll \u2013 und die Offiziere k\u00e4mpfen darum, welches nun die richtige sei \u2013 fr\u00fcher und heute.<\/p>\n<p>Die einen wollen, dass sich die Offiziere von der Truppe distanzieren. Andere Uniform, schneidiges Auftreten, Befehlston. Der Soldat soll gehorchen, einfach weil er schliesslich Soldat ist. Exerzieren sei das richtige Mittel, um aus Rekruten Soldaten zu machen, die jungen M\u00e4nner eben zum Soldaten zu erziehen: Gleichschritt, Achtungsstellung, fr\u00fcher der ber\u00fchmte Gewehrgriff als Erziehungsmittel. Der sp\u00e4tere General Ulrich Wille, der Oberbefehlshaber der Schweizer Armee im Ersten Weltkrieg, hat seit dem Ende des 19. Jahrhunderts f\u00fcr diese Vorstellung gek\u00e4mpft \u2013 leider mit Erfolg.<\/p>\n<p>Es gab aber immer auch die andere Vorstellung: Dass der Offizier in einer Milizarmee mit der Truppe verbunden sein soll, ein offenes Ohr f\u00fcr ihre Sorgen haben soll, normal (also einfach anst\u00e4ndig) mit den Leuten umgehen soll. Der Soldat soll nicht einfach gehorchen, weil er Soldat ist, sondern weil er eben B\u00fcrgersoldat ist: weil er als B\u00fcrger weiss, dass es eine Armee braucht und er pers\u00f6nlich darin eine Aufgabe zu erf\u00fcllen hat; der eine als Soldat, der andere als Offizier \u2013 alle als B\u00fcrgersoldaten. Im Vordergrund soll die praktische Gefechtsausbildung im Feld stehen, nicht das Exerzieren auf dem Kasernenhof. General Henri Guisan, der Oberbefehlshaber der Schweizer Armee im Zweiten Weltkrieg, hat sich f\u00fcr diese Vorstellung stark gemacht. Diese Ideen gab es aber bereits im 19. Jahrhundert. Ein Dienstbefehl des eidg. Milit\u00e4rdepartementes aus dem Jahr 1892 hat nichts von seiner Aktualit\u00e4t eingeb\u00fcsst hat. Darin heisst es:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDas Milit\u00e4rdepartement fordert die Schul- und Kurskommandanten auf, gegen Vorgesetzte, welche sich ihren Soldaten gegen\u00fcber in Wort und Tat einer Rohheit schuldig machen, mit der gr\u00f6ssten Strenge vorzugehen. Im schweizerischen Soldaten muss auch der Schweizerb\u00fcrger respektiert werden.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Darin zeigt sich das Bild einer Milizarmee, in der sich B\u00fcrgersoldaten auf Augenh\u00f6he mit Respekt begegnen, unabh\u00e4ngig davon, ob sie jetzt Soldat sind oder Offizier. Eine Milizarmee funktioniert aber stets nur mit Milizkadern: mit B\u00fcrgern, die als Unteroffiziere und Offiziere mehr leisten, als sie m\u00fcssten. All diesen Kaderangeh\u00f6rigen m\u00f6chte ich vor allem f\u00fcr ihre Vorbereitungsarbeiten danken, die sie vordienstlich und w\u00e4hrend des Dienstes leisten. Sie leisten mit viel Engagement gute Arbeit und das dient letztlich der Sicherheit unseres Landes.<\/p>\n<p>Damit zum zweiten Stichwort: <strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Armee<\/span><\/strong>; sie steckt in einer schwierigen Umbruchphase. Um das einordnen zu k\u00f6nnen, lohnt es sich, die heutige Situation mit der Situation vor dreissig Jahren zu vergleichen: 1982 war Ronald Reagan Pr\u00e4sident der USA, es gab eine Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (die UdSSR), in der 1982 Juri Andropow als Nachfolger von Leonid Breschnew Generalsekret\u00e4r der Kommunistischen Partei wurde. Es war die Zeit des Kalten Krieges, der innert Tagen h\u00e4tte heiss werden k\u00f6nnen und auch die Gefahr barg, dass in Europa von Ost und West auch Atomwaffen eingesetzt worden w\u00e4ren.<\/p>\n<p>In der Schweiz ging man davon aus, dass der Ostblock den Westen milit\u00e4risch \u00fcberfallen w\u00fcrde und dass die kommunistischen Armeen die schweizerische Neutralit\u00e4t nicht respektieren w\u00fcrden. Darum hatte die Schweizer Armee eine zentrale Aufgabe: \u201eKriegsverhinderung durch Verteidigungsbereitschaft\u201c. Gleichzeitig hatte aber niemand ein Problem damit, wenn die Armee bei \u00dcberschwemmungen half oder internationale Treffen in Genf sch\u00fctzte oder dass seit 1953 in Korea eine neutrale Schweizer \u00dcberwachungskommission im Auslandeinsatz war.<\/p>\n<p>Drei Aufgaben erf\u00fcllte die Armee \u2013 heute nennen wir diese drei Aufgaben Verteidigung, Unterst\u00fctzung der zivilen Beh\u00f6rden und Friedensf\u00f6rderung (damals wurden teilweise andere Begriffe verwendet, aber in der Substanz sind es diese drei Aufgaben). Es war aber klar: Kernaufgabe der Armee war die \u201eKriegsverhinderung durch Verteidigungsbereitschaft\u201c.<\/p>\n<p>Und heute?<\/p>\n<p>Die Mission in Korea ist immer noch dort, im Auslandeinsatz steht auch die Swisscoy im Kosovo. Bei \u00dcberschwemmungen oder Lawinen hilft die Armee nach wie vor den Kantonen und Gemeinden. Die Armee sch\u00fctzt zum Beispiel im Januar das WEF in Davos und ein Teil der Armee h\u00e4lt sich fit, um schlimmstenfalls das Land zu verteidigen \u2013 gerade das macht die Armee nicht mehr gleich wie vor dreissig Jahren und zwar deshalb, weil sich die sicherheitspolitische Lage ge\u00e4ndert hat.<\/p>\n<p>Die Armee erf\u00fcllt also immer noch dieselben Aufgaben Verteidigung, Unterst\u00fctzung der zivilen Beh\u00f6rden und Friedensf\u00f6rderung. Sie macht das, weil wir \u2013 das Schweizer Volk \u2013 der Armee in der Bundesverfassung und im Milit\u00e4rgesetz diese Auftr\u00e4ge gegeben haben. Die Armee erf\u00fcllt diese Aufgaben aber anders als vor dreissig Jahren und das Verh\u00e4ltnis dieser Aufgaben untereinander ist umstritten. Aus meiner Sicht ist dies die logische Konsequenz aus der heutigen sicherheitspolitischen Lage der Schweiz. Im Kalten Krieg war es eine einfache Sache, die man auf die Formel bringen k\u00f6nnte: Der Feind kommt mit Panzern aus dem Osten und wir wollen die Schweiz mit allen milit\u00e4rischen Mitteln gegen diesen starken Feind verteidigen. Heute ist das nicht mehr so einfach. Woher kommt der Feind? \u2013 Heute: von nirgendwo; und morgen? Wenn wir das w\u00fcssten \u2026 und weil so keine der Aufgaben die absolute Priorit\u00e4t hat, ist es schwierig, das richtige Mass zu finden.<\/p>\n<p>Ich will damit nicht jammern, sondern darauf hinweisen, dass es heute komplex ist, die richtige Balance zwischen den Armeeaufgaben gem\u00e4ss Verfassung und Gesetz zu definieren, und dass dies die Folge der ver\u00e4nderten sicherheitspolitischen Lage ist \u2013 und weil sich diese verbessert hat, sollten wir froh sein: Froh dar\u00fcber, dass wir nicht mehr in einem Pulverfass Europa leben, wie damals im Kalten Krieg, wo ein Funke gen\u00fcgt h\u00e4tte, um ganz Europa in einem atomaren Holocaust auszul\u00f6schen.<\/p>\n<p>Gewiss erleben gegenw\u00e4rtig lange Debatten dar\u00fcber, ob jetzt das WEF mit der Armee gesch\u00fctzt werden soll, und ob wir zu viel oder zu wenig Panzer haben f\u00fcr den Kriegsfall und ob wir ein neues Flugzeug brauchen oder nicht. Ich halte es f\u00fcr gut und wichtig, dass solche Fragen diskutiert werden. Schwierig ist allerdings, dass sich oft keine stabilen politischen Mehrheiten mehr finden in der Sicherheitspolitik.<\/p>\n<p>Es braucht eine vern\u00fcnftige, sachorientierte Sicherheitspolitik. Daf\u00fcr setzt sich die aargauische Offiziersgesellschaft ein. Sie ist die drittgr\u00f6sste Offiziersgesellschaft der Schweiz und setzt sich aus den sieben Lokalsektionen Zofingen, Aarau, Fricktal, Lenzburg, Freiamt, Brugg und Baden zusammen. F\u00fcr mich ist die Offiziersgesellschaft die Gewerkschaft der Milizarmee im Allgemeinen und der Milizoffiziere im Speziellen. Deshalb bin ich heute \u00fcbrigens auch in zivil hier. Ich vertrete die aargauische Offiziersgesellschaft und nicht die Armee. Als Gewerkschafter bin ich mit der Firmenleitung ja nicht immer gleicher Meinung.<\/p>\n<p>Als \u201eGewerkschafter der Milizarmee\u201c m\u00f6chte ich mit einem politischen Gedanken schliessen: <strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Wehrpflicht<\/span><\/strong> ist das dritte und letzte Stichwort. In einem Jahr werden wir mitten im Abstimmungskampf \u00fcber die Volksinitiative \u201eJa zur Aufhebung der Wehrpflicht\u201c stecken, die von der \u201eGruppe f\u00fcr eine Schweiz ohne Armee\u201c (GSoA) eingereicht worden ist. Die aargauische Offiziersgesellschaft wird sich f\u00fcr ein Nein zu dieser Initiative stark machen.<\/p>\n<p>Worum geht es? Milit\u00e4rdienst und Zivildienst soll f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen freiwillig sein. Dies ist eine sch\u00f6ne Idee, sie hat jedoch einen Preis: die Abschaffung der Wehrpflicht. Gestatten Sie mir ganz kurz drei Punkte, warum ich finde, dass wir diese Initiative ablehnen sollen:<\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Erstens rollt die Initiative eine Diskussion um die Armeegr\u00f6sse auf, die wir eben abgeschlossen haben<\/span><\/strong>. Die Initiative w\u00fcrde zu einer kleineren Armee f\u00fchren; das wollen die Initianten gem\u00e4ss ihrem Argumentarium so. Bundesrat und Parlament haben sich erst k\u00fcrzlich nach l\u00e4ngeren Diskussionen darauf geeignet, dass 100\u2018000 Armeeangeh\u00f6rige der Bestand ist, der sicherheitspolitisch erforderlich ist. Wir k\u00f6nnen uns durchaus noch einmal dar\u00fcber unterhalten, wie gross die Armee sein soll. Eine solche Diskussion soll aber auf der Basis einer Analyse der Bedrohungen und der Aufgaben der Armee gef\u00fchrt werden \u2013 und nicht auf der Basis der Frage \u201eWehrpflicht ja oder nein\u201c.<\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Zweitens: Eine Armee mit Wehrpflicht entspricht der sicherheitspolitischen Lage<\/span><\/strong>. Die Armee ist das Mittel f\u00fcr Extremsituationen, in der auch viel Personal ben\u00f6tigt wird. Sie ist die einzige Sicherheitsreserve, die wir haben, wenn die Blaulichtorganisationen eine Situation nicht mehr bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen. Polizei, Feuerwehr und Sanit\u00e4tsdienst sind hervorragend aufgestellt, um all die Situationen zu bew\u00e4ltigen, die der Alltag mit sich bringt. Sie k\u00f6nnen bei Extremereignissen innert weniger Tage an den Anschlag kommen. Wer kann dann noch helfen? Nur noch die Armee, die deshalb gen\u00fcgend Leute braucht. Diese braucht sie nicht st\u00e4ndig: sie bildet viele aus, schickt sie dann nach Hause und bietet sie erst wieder auf, wenn sie sie f\u00fcr einen Einsatz oder einen Refresher (genannt Widerholungskurs) ben\u00f6tigt. Die Armee ist die kosteng\u00fcnstige Sicherheitsreserve, die wir brauchen in diesem Land \u2013 und dazu braucht es die Wehrpflicht.<\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Drittens ist es eigentlich Etikettenschwindel<\/span><\/strong>. Freiwillig k\u00f6nnte ja h\u00f6chstens der Beitritt zur Armee oder zum Zivildienst sein. Wenn die Armee funktionieren soll und Leistungen erbringen soll, dann kann man ja nicht einfach darauf vertrauen, dass dann gerade gen\u00fcgend Soldaten Lust haben, ins Milit\u00e4r zu gehen. Die Initiative m\u00f6chte ja M\u00e4nner und Frauen freiwillig in der Armee. Hand aufs Herz: W\u00e4ren Sie im Alter von 20 freiwillig in die Armee? Ich muss Ihnen gestehen, ich w\u00e4re 1987 sicher nicht in die Armee, wenn ich nicht h\u00e4tte m\u00fcssen. R\u00fcckblickend sch\u00e4tze ich die Erfahrungen sehr, die ich gemacht habe, aber mit 20 will man Karriere im Beruf machen, studieren, Zeit mit der Freundin verbringen usw.<\/p>\n<p>Mit dem Milit\u00e4rdienst ist es letztlich wie mit dem Steuern zahlen: Man sieht den Sinn, aber m\u00f6chte lieber nichts damit zu tun haben, wenn man w\u00e4hlen k\u00f6nnte. <strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Wehrpflicht ist B\u00fcrgerpflicht<\/span><\/strong>. Eine B\u00fcrgerpflicht, die wir zur Sicherheit unseres Landes brauchen, damit wir eine funktionierende moderne Armee haben, die ihre drei Aufgaben Verteidigung, Unterst\u00fctzung der zivilen Beh\u00f6rden und Friedensf\u00f6rderung zeitgem\u00e4ss wahrnehmen kann.<\/p>\n<p>Das ist ein Beitrag zu unserem Gemeinwesen Schweiz, das wir heute am 1. August ja feiern. Wir wollen den 1. August feiern als einen Tag der Erinnerung an die alten und jungen Eidgenossen und dabei bedenken, dass es immer auch ein Tag der Integration Andersdenkender war. Das geh\u00f6rt zum Erfolgsrezept Schweiz. Dazu braucht es immer auch Menschen, die sich daf\u00fcr engagieren, in Politik, aber auch in der Armee.<\/p>\n<p>Damit m\u00f6chte ich schliessen. Ich bedanke mich f\u00fcrs Zuh\u00f6ren und w\u00fcnsche uns allen noch eine sch\u00f6ne Bundesfeier!<\/p>\n<p>Oberstleutnant im Generalstab Dieter Wicki,<br \/>\nPr\u00e4sident der aargauischen Offiziersgesellschaft, Aarau<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehr geehrte Frau Gemeindeammann, liebe Schweizerinnen und Schweizer, liebe G\u00e4ste Herzlichen Dank f\u00fcr die Einladung, heute hier in der Gemeinde Untersiggenthal die 1. August-Rede zu halten. Mein Bezug zu Untersiggenthal ist ein milit\u00e4rischer: Der Name \u201eSiggenthal Station\u201c hat mich jahrelang &#8230; <a href=\"http:\/\/aargauer-offiziersgesellschaft.ch\/?p=636\">Weiterlesen <span>&#8594;<\/span><\/a> <a href=\"http:\/\/aargauer-offiziersgesellschaft.ch\/?p=636\">Continue reading <span>&#8594;<\/span><\/a> <a href=\"https:\/\/fricktaleroffiziere.ch\/?p=3514\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":25,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"_s2mail":"yes","footnotes":""},"categories":[212,213,65],"tags":[],"class_list":["post-3514","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-abstimmungen","category-historisch","category-miliz"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/fricktaleroffiziere.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3514","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/fricktaleroffiziere.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/fricktaleroffiziere.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fricktaleroffiziere.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/25"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fricktaleroffiziere.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3514"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/fricktaleroffiziere.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3514\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3619,"href":"https:\/\/fricktaleroffiziere.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3514\/revisions\/3619"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/fricktaleroffiziere.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3514"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/fricktaleroffiziere.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3514"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/fricktaleroffiziere.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3514"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}