{"id":4207,"date":"2015-06-22T08:56:38","date_gmt":"2015-06-22T06:56:33","guid":{"rendered":"http:\/\/fricktaleroffiziere.ch\/?p=4207"},"modified":"2016-01-02T23:56:54","modified_gmt":"2016-01-02T21:56:54","slug":"reaktion-auf-reaktionen-zum-wea-entscheid-des-nationalrats","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fricktaleroffiziere.ch\/?p=4207","title":{"rendered":"Reaktion auf Reaktionen zum WEA-Entscheid des Nationalrats"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1\"><strong><span class=\"s1\">AZ-Chefredaktor Christian Dorer liegt falsch\u00a0wenn er die WEA als <a href=\"http:\/\/www.aargauerzeitung.ch\/kommentare\/wochenkommentar\/verantwortungslos-gegenueber-unseren-soldaten-129260473\" target=\"_blank\">richtige Antwort auf die Bedrohungslage<\/a> qualifiziert. Was uns hier als L\u00f6sung aller Probleme verkauft wird, f\u00e4llt\u00a0bei n\u00e4herer Betrachung durch. Der Teufel steckt im Detail.<\/span><\/strong><\/p>\n<ul>\n<li class=\"p1\">Die neue Armeekonzeption\u00a0basiert auf eine politisch eingef\u00e4rbte und auf wahrscheinliche Gefahren ausgerichtete <strong>Lagebeurteilung<\/strong> von 2010 (Sicherheitspolitischer Bericht).\u00a0Sp\u00e4testens seit 2014 muss man aber eingestehen, dass sich die\u00a0Lage in Europa fundamental ge\u00e4ndert hat. Dennoch behaupten einige, dass die WEA\u00a0genau die richtige Antwort darauf ist.<\/li>\n<li class=\"p1\"><span class=\"s1\">Wir sollten nicht zulassen, die Armee zu <strong>halbieren<\/strong> und die personelle <strong>Reserve abzuschaffen<\/strong>, wenn Konflikte wieder wahrscheinlicher werden.<!--more--> <\/span><\/li>\n<li class=\"p1\"><span class=\"s1\">Anstatt sich bei Restrukturierungen\u2013 wie in der Privatwirtschaft \u00fcblich \u2013 auf das Kerngesch\u00e4ft zu konzentrieren,\u00a0werden der Armee noch <strong>mehr Aufgaben<\/strong> \u00fcbertragenen. Der Katalog dieser Aufgaben\u00a0verdreifacht sich gegen\u00fcber den Auftr\u00e4gen\u00a0an\u00a0die\u00a0Armee XXI.\u00a0<\/span><\/li>\n<li class=\"p1\"><span class=\"s1\">Wir d\u00fcrfen uns nicht auf Absichtserkl\u00e4rungen wie die &#8220;<strong>vollst\u00e4ndige Ausr\u00fcstung<\/strong>&#8221; verlassen, wenn dieser Zustand nicht vor 2027 erreicht wird \u2013 sofern die Mittel gesprochen und das Ausr\u00fcstungs-SOLL gesenkt wird.<\/span><\/li>\n<li class=\"p1\">Die\u00a0<strong>Mobilmachung<\/strong> von 8&#8217;000 AdA in 4 Tagen und 35&#8217;000 AdA in 10 Tagen erscheint neben der Leistung\u00a0in der Armee 61 (600&#8217;000 AdA innert 48h) wie &#8220;Deux Chevaux&#8221; neben Ferrari. Ob das von einem Erdbeben zerst\u00f6rte Basel wirklich 10 Tage warten will?<\/li>\n<li class=\"p1\">Mit dem &#8220;<strong>Stationierungskonzept<\/strong>&#8221;\u00a0wird so viel Infrastruktur vernichtet, dass bei einem Sinneswandel gar keine gr\u00f6ssere Armee mehr m\u00f6glich ist. Oder glaubt jemand, dass D\u00fcbendorf den &#8220;Innovationspark&#8221; dem Erdboden gleich macht, um wieder Kampfjets neben dem wichtigsten Flughafen der Schweiz zu stationieren?<\/li>\n<li class=\"p1\">Eine k\u00fchne Behauptung ist auch die st\u00e4rkere <strong>Regionalisierung<\/strong>: 6 regional verankerter (Geb) Inf Br werden abgeschafft, mehr als die H\u00e4lfte der Truppenk\u00f6rper aufgel\u00f6st und der Rest wird auf\u00a0vier \u2013 in der Kommandoordnung noch weiter vom Soldaten entferte \u2013\u00a0Ter Div verteilt. Das ist, wie wenn die regionalen St\u00fctzpunktfeuerwehren durch\u00a0kantonale Feuerwehren ersetzt w\u00fcrden und man der Bev\u00f6lkerung versichert, dass das Feuer dennoch schneller gel\u00f6scht w\u00fcrde.<\/li>\n<li class=\"p1\">Wir d\u00fcrfen uns nicht von einem <strong>Sollbestand<\/strong> von 100&#8217;000 Soldaten blenden lassen, wenn davon nur 1\/5 den k\u00e4mpfenden Truppen angeh\u00f6ren. Die Nordwestschweiz l\u00e4sst sich damit vielleicht noch &#8220;verteidigen&#8221; (sofern andere Regionen auf den Schutz verzichten), doch nach etwa einem halben Jahr Einsatz ist Schluss, denn der WEA-Armee fehlt es an\u00a0<strong>Durchhaltef\u00e4higkeit<\/strong>. Eine Abl\u00f6sung ist nicht vorgesehen.<\/li>\n<li class=\"p1\">Im &#8220;<em><a href=\"http:\/\/www.vbs.admin.ch\/internet\/vbs\/de\/home\/documentation\/bases\/verteidigung.parsys.34659.downloadList.62067.DownloadFile.tmp\/zusatzberichtzumarmeebericht2010d.pdf\" target=\"_blank\">Zusatzbericht zum Armeebericht 2010<\/a><\/em>&#8221; verspricht das VBS bei einem Sollbestand von 100&#8217;000 AdA 4 Territorialregionen,\u00a03 Kampfbrigaden und\u00a05 Infanteriebrigaden. Heute spricht man noch von\u00a04 Territorialregionen, 2\u00a0Kampfbrigaden (-1) und 0\u00a0Infanteriebrigaden (-5). Die von der SiK geforderte <strong>dritte Kampfbrigade<\/strong>\u00a0kann man nicht ernsthaft dazuz\u00e4hlen, besteht sie doch nur aus &#8220;\u00fcberz\u00e4hligen&#8221; Bataillonen (2 Art Abt, 2 Aufkl Bat, 1 Pont Bat, 1 Stabsbat). Richtige Kampfverb\u00e4nde (Panzer- oder Infanterie) sucht man dort vergebens.<\/li>\n<li class=\"p1\">Im &#8220;<em><a href=\"http:\/\/www.vbs.admin.ch\/internet\/vbs\/de\/home\/documentation\/bases\/verteidigung.parsys.34659.downloadList.62067.DownloadFile.tmp\/zusatzberichtzumarmeebericht2010d.pdf\" target=\"_blank\">Zusatzbericht zum Armeebericht 2010<\/a><\/em>&#8221;\u00a0wird als <strong>Preisschild<\/strong> f\u00fcr eine Armee mit 100&#8217;000 AdA pro Jahr 5,1 Mia. veranschlagt. Dazu kommt eine &#8220;Anschubfinanzierung&#8221; von 6,2 Mia. &#8220;fu\u0308r das Erreichen des Initialzustands&#8221;. Die WEA ist somit \u2013 einmal mehr \u2013 von Anfang an unterfinanziert.<\/li>\n<li class=\"p1\">Die <strong>Ausbildung<\/strong> der unteren Kader wird sicher verbessert. Ob wir aber gen\u00fcgend Kp Kdt rekrutieren k\u00f6nnen, ist fraglich: Ihre Ausbildung zieht sich so in die L\u00e4nge, dass dieser Schritt sehr unattraktiv wird. Zudem befinden sich die angehenden Miliz-Kommandanten in einem immer st\u00e4rker werdenden Konkurrenzkampf mit den Berufsoffizieren, deren Anzahl nicht halbiert wird. Die Tendenz zur <strong>F\u00fchrung<\/strong> durch Berufsoffiziere verst\u00e4rkt sicht.<\/li>\n<li class=\"p1\">Kein Wunder spricht die Linke\u00a0davon, dass die WEA &#8220;<strong><em>in die richtige Richtung<\/em><\/strong>&#8221; geht. Im Grunde ist die Linke (inkl. GSoA)\u00a0ja prim\u00e4r\u00a0<a href=\"http:\/\/gsoa.ch\/medien\/02325\/gsoa-prueft-referendum-gegen-weiterentwicklung-der\/\" target=\"_blank\">gegen das h\u00f6here Budget<\/a>. Es wird\u00a0sicher spannend sein, wie man Herrn und Frau Schweizer ein h\u00f6heres Budget f\u00fcr eine halbierte Armee verkaufen will.<\/li>\n<li class=\"p1\">Apropos <em>&#8220;in die richtige Richtung&#8221;<\/em>: Wenn man aus aktuellem Anlass von einer &#8220;<strong><em>unheiligen Allianz<\/em><\/strong>&#8221; spricht, so vergisst man, dass eine solche Allianz bereits vorher bestanden hat. Es ist die zu wenig\u00a0wahrgenommene Allianz zwischen SP und der sogenannt &#8220;b\u00fcrgerlichen Mitte&#8221;, welche die WEA grunds\u00e4tzlich begr\u00fcsst. So gesehen befindet\u00a0sich sogar die Schweizerische Offiziersgesellschaft (SOG) im Lotterbett mit den Armeeabschaffern.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Sollte also etwas politisch und milit\u00e4risch verantwortungslos sein, dann\u00a0diese WEA. Verantwortungslos gegen\u00fcber unseren Soldaten ist viel mehr<\/p>\n<ol>\n<li class=\"p1\"><span class=\"s1\">die schon vor der Einf\u00fchrung der Armee XXI bekannten und seither nicht mehr bestreitbaren M\u00e4ngel der Armee XXI in Ausbildung, Ausr\u00fcstung und Bereitschaft immer noch nicht behoben zu haben und mittels einer daf\u00fcr \u00fcberfl\u00fcssigen, schwerf\u00e4lligen und zeitraubenden Milit\u00e4rgesetz-Revision zu verkn\u00fcpfen.<\/span><\/li>\n<li class=\"p1\"><span class=\"s1\">im Jahre 2015 aufgrund veralteter Grundlagen von 2010 auf Anfang 2017 eine faktische Halbierung der Armee zu beschliessen und gleichzeitig einen neuen SipolB\u00a0auf 2016 in Aussicht zu stellen.<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Ablehnung der Vorlage in der Gesamtabstimmung\u00a0hat daher durchaus sein Gutes.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ffffff;\">Zuletzt noch etwas \u00fcber die Reaktionen: Ich bin best\u00fcrzt\u00a0\u00fcber die Reaktionen \u2013 besonders aus den Reihen der Offiziere: Die <a style=\"color: #ffffff;\" href=\"http:\/\/sog.ch\/2015\/06\/unheilige-allianz-im-nationalrat-stellt-die-weiterentwicklung-der-milizarmee-in-frage\/\" target=\"_blank\">SOG<\/a>\u00a0unterst\u00fctzt nicht einmal die Konsequenz, mit der eine (ihr ungeliebte) Partei f\u00fcr die\u00a0\u2013 von der SOG selbst geforderte! \u2013 Untergrenze bei der Finanzierung einsteht. Und wenn ranghohe und im Solde des VBS stehende Offiziere den politischen\u00a0Endscheid mit &#8220;skandal\u00f6s&#8221; beurteilen, l\u00e4sst dies tief blicken. Ja, es mutet arrogant an, sich so \u00fcber demokratische Entscheide stellen zu wollen und \u00fcber das Abstimmungsverhalten zu urteilen. Aber was will man von jemandem erwarten, der nicht einmal imstande ist, die Statuten eines Vereins einzuhalten&#8230;<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>AZ-Chefredaktor Christian Dorer liegt falsch\u00a0wenn er die WEA als richtige Antwort auf die Bedrohungslage qualifiziert. Was uns hier als L\u00f6sung aller Probleme verkauft wird, f\u00e4llt\u00a0bei n\u00e4herer Betrachung durch. Der Teufel steckt im Detail. 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